Angeschautes, Anschauliches und Anderes von C.

Donnerstag, November 18, 2010

China seltsam #187: Love Bus

Chinas Singles haben's echt nicht einfach: Einerseits sollen sie Schule & Uni mit perfekten Noten durchziehen und einen tollen, natürlich hoch bezahlten Job bekommen. Andererseits wartet die Familie auf Nachwuchs oder zumindest mal einen passenden Partner, der (natürlich) schnellstmöglich geheiratet werden sollte. Chinas Vorliebe für männliche Nachfahren bedeutet insbesondere für männliche Singles: Nicht nur dass sie kaum Zeit für die Suche nach einer geeigneten Partnerin haben - es gibt davon auch noch viel zu wenige.

Abhilfe schaffen soll da zum Beispiel der Love Bus, der jeden Dienstag und Donnerstag über Beijings dritte Ringstraße rollt. 2 1/2 Stunden haben die Mitfahrer Gelegenheit, auf der gut frequentierten Pendlerstrecke Bekanntschaft mit anderen Singles zu schließen. Ich stell mir das ein bischen wie Schuldisko vor: Jeder im Bus will jemanden kennenlernen, aber alle sitzen mehr oder weniger stumm nebeneinander und keiner kriegt den Mund auf... Hört ja jeder, wenn man doch eine Abfuhr bekommt... Aber was ist die Alternative? Die immer populäreren Single-Märkte, auf denen mit Fotos ihrer Sprösslinge bewaffnete Mütter auf Partnerjagd für ihre Kinder gehen?

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Montag, November 08, 2010

Welcome to Hongkong


Gut gelandet und froh über die 26° hier. Und über die effizienten Zubringer. Und darüber, dass jetzt Urlaub ist, ein bisschen zumindest :)

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Mittwoch, September 01, 2010

China seltsam #186: Es lebe der Superstau

Seit dem 14. August geht gar nichts mehr auf der Schnellstraße zwischen Huai'an (Hebei) und Jining (innere Mongolei): Auf einer Strecke von rund 100 Kilometern stauen sich China National Radio zufolge bis zu 10.000 Fahrzeuge. Und ein Ende ist nicht abzusehen: Bauarbeiten und zahlreiche LKW werden wohl auch noch bis weit in den September hinein dafür sorgen, dass die Strecke nicht frei befahrbar ist.
Auch danach wird es auf dieser Strecke wohl immer wieder zu Problemen kommen. Zum einen reicht die Kapazität für das immer weiter steigende Verkehrsaufkommen bei Weitem nicht aus, zum anderen sorgen die vielen LKW für Belastungen und Abnutzungserscheinungen, die beim Bau der Straße nicht berücksichtigt worden sind.

Während die Nutzer der Autobahn fluchen, freuen sich die Bewohner der umliegenden Dörfer über das Geschäft ihres Lebens. Die nämlich fahren oder laufen zum Stau und versorgen die genervten Autofahrer mit Getränken und Fertiggerichten - zu gesalzenen Preisen, versteht sich. Ein Glas Wasser kostet da schnell mal zwei Yuan, eine Schale Instantnudeln statt drei gleich mal 10-15 Yuan. Auch (natürlich unlizensierte) Werkstätten bieten auf Pappschildern ihre Dienste an - und haben mit kleineren und größeren Reparaturen gut zu tun. Und das wohl auch noch mindestens einen Monat lang - bis sich der Super-Stau auflöst...

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Sonntag, August 29, 2010

China seltsam #185: Wein in China

Als ich das erste Mal in China war dachte ich es sei eine gute Idee, als Souvenir eine Flasche Wein mitzubringen. Was sich zuhause allerdings aus der Flasche ergoss, erinnerte geruchlich an eine Mischung aus Hochprozentigem und billigem Parfum und ein wenig an das Zeug, das in Schnapspralinen zu finden ist. Zum Geschmack sag ich mal lieber nichts, nur so viel: Verwendung gefunden hat der "Wein" zum Ansetzen einer Bowle, die mit sehr viel neutralisierenden anderen Getränken aufgegossen wurde...

Mal abgesehen davon hat China aber tatsächlich eine sehr alte Weintradition - und ich rede dabei nicht vom unvermeidlichen Pflaumen- oder Reiswein. In Henan beispielsweise fand man in rund 9.000 Jahre alten Tongefäßen Reste eines vergorenen Getränks, das u.A. Trauben-Rückstände enthielt.
Bis zum 14. Jahrhundert fand Wein zu religiösen Prozeduren und am Kaiserhof Verwendung und war beispielsweise bei einigen noch heute verehrten Poeten und Künstlern sehr beliebt. Gern auch im Übermaß, was ihnen zum einen Spitznamen wie "der Unsterbliche des Weins" einbrachte, zum anderen aber auch dazu führte, dass bedeutende Meisterwerke im wahrsten Sinne des Wortes in rauschhaften Zuständen entstanden. Übrigens: Sogar Marco Polo schwärmte vom Wein aus der Region Taiyuan - und der musste es als Wein-verwöhnter Italiener ja wissen... Leider mussten die Weingärten später auf kaiserlichen Befehl Getreidefeldern weichen - das vorläufige Ende der Weinkultur in China.

Heute gibt es insbesondere im Norden des Landes einige große Weinanbaugebiete, die Chinesen entdecken das Weintrinken für sich. Ist ja auch gesünder als der scharfe Schnaps, den es sonst zu feierlichen Anlässen gibt und Anlässe gibt es viele...
Nach jahrhundertelanger Wein-Abstinanz mussten sie allerdings erst einmal lernen, wie das so ist, mit dem Wein. Zum Glück sind die Zeiten so langsam passé, in denen man trockenen Rotwein mit Cola oder Eiswürfeln mischte, um ihn genießbarer zu machen. Nach wie vor bevorzugt man i.A. aber eher liebliche oder zumindest wenig tanninreiche Weine. Die dürfen gern ein chinesisches Etikett tragen - was drin ist, ist jedoch eine ganz andere Frage. Oftmals umetikettierter Wein aus Frankreich oder Italien, immer häufiger aber auch Wein aus eigener Produktion - mit aus Frankreich importierten Reben und einem französischen Winzer. Da es für Weine keine verbindlichen Vorgaben gibt, ist auch der Jahrgang wenig aussagekräftig - zumal eigene Weine auch gern mit ausländischen gemischt werden.
Wer sich über chinesische Weine informieren will, wird überall auf andere Angaben stoßen und schnell ziemlich verwirrt sein. Ein wenig Aufschluss bietet u.a. das neu eröffnete Weinkultur-Museum in Maotai, seines Zeichens (angeblich) das größe chinesische Weinmuseum.

Da die Nachfrage immer weiter steigt, wird wohl auch der Weinbau in China wieder mehr an Bedeutung gewinnen. Eine Chance für Chinas immer weiter verarmende Bauern, sich eine interessante neue Geldquelle zu erschließen, zumindest in einigen Teilen des Landes. Sofern sie lernen, dass dabei in erster Linie Qualität vor Quantität zählt. Und eine Chance für die Industrie, Wein im großen Stil zu produzieren - im letzten Jahr ist es chinesischen Wissenschaftlern gelungen, jungen Wein innerhalb weniger Minuten reifen zu lassen...

Übrigens: Ganz interessant liest sich der Bericht des Schweizer Weingenießers und pensionierten Journalisten Peter Züllig zu Wein und Weingütern in China, die er im Rahmen einer Weintour entdeckte.

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Montag, Januar 25, 2010

China seltsam #184: Das Internet von China

Eine ganz interessante Geschichte, diese Auseinandersetzung zwischen den USA und China. Hillary Clinton spricht sich deutlich für Freiheit im Internet aus, China kontert, dass man das "Internet von Google" nicht wolle. Dann lieber ein eigenes Internet, in dem die staatlich zertifizierte Suchmaschine vorgibt, was man lesen darf. In dem es kein Pornografie, keinen Terrorismus, keine Kriminalität, kein Glücksspiel gibt. In dem jede Mail, jedes Posting gegengelesen wird, bevor es den Adressaten erreicht - und Missetäter im besten Fall gleich an die Polizei meldet wie es jetzt auch bei SMS eingeführt wird. Der Facebook-Eintrag von Wen Jiabao darf aber vielleicht bleiben, jetzt wo er so viele Fans dort hat, die ihm linientreue Slogans und PMs an die Pinnwand schreiben. Gruselig.

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Mittwoch, Januar 20, 2010

China seltsam #183: Paper Tigers

Das chinesische Neujahr steht vor der Tür und damit auch das Jahr des Tigers, das das Jahr des Büffels/Rindes ablöst. Zeit also, Wohnungen, Häuser, Büros und jede andere zugängliche Ecke mit putzigen Tigerchen und roten Accessoires zu dekorieren. Unbedingt dazu gehören auch Scherenschnitte aus rotem Papier. Wie man die macht, zeigt die China Daily in diesem Video - viel Spaß beim Nachschnippeln :)

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Dienstag, Januar 12, 2010

China seltsam #182: Hutong Homestays in Beijing

Die Idee, Touristen ein Gästezimmer zu vermieten ist keinesfalls neu. Allerdings ist das beispielsweise in Beijing gar nicht so einfach: Wer sich hier "Beijing Homestay" nennen will, muss eine ganze Reihe von Standards erfüllen, damit der Name überhaupt verwendet werden darf.

Die Vorschriften dafür sind offenbar noch strenger als für die Homestays, die man für die Olympischen Spiele gesucht hatte. Konkret dürfen sich überhaupt nur sichere, traditionell eingerichtete Höfe in den alten Hutongs dafür bewerben. Was die Zahl der in Frage kommenden Unterkünfte schon mal deutlich einschränkt, weil nur noch wenige Hutong-Viertel stehen und noch weniger Hofhäuser ausschließlich traditionell eingerichtet sind. Dass das Homestay bzw. das vermietete Zimmer über ein Bett mit sauberer Bettwäsche verfügen muss ist ja noch verständlich. Und dass wenigstens einer im Haus eine andere Sprache verstehen oder sprechen können sollte, ist auch ein sehr löblicher Ansatz. Schwieriger wird's aber schon mit Punkten wie funktionierender Toilette - traditionell ging man in den Hutongs noch vor wenigen Jahren mit dem Nachttopf zur öffentlichen Toilette um die Ecke. Und warum um alles in der Welt sollen sich Angehörige von Familien, die ein Homestay eröffnen wollen, in "traditionelle Kostüme" werfen und einen "traditionellen Hutong-Lifestyle führen"? Mit solchen Vorschriften führt man doch genau das ad absurdum, was der Besucher eigentlich will: Eine einfache Unterkunft in einem typischen Haus bei einer typischen Familie.

Gefunden hier.

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Sonntag, Januar 10, 2010

China seltsam #181: Public Housing Communities

Was glauben Sie eigentlich, wo ein Durchschnittschinese lebt? In einem traditionellen Hofhaus? Davon gibts kaum noch welche, die meisten wurden abgerissen oder aufgekauft. Einem Einfamilienhaus? Kann sich ein Durchschnittschinese nicht leisten. Bleibt nur die Miet- oder Eigentumswohnung. Aber selbst die ist für immer mehr Chinesen in den Städten unerschwinglich. Für sie bleiben nur die Public Housing Communities.
Eine solche Hausgemeinschaft besteht in der Regel aus Bewohnern mit geringem Einkommen, die sich keinen anderen Wohnraum leisten können. Wohnungen sind hier deutlich günstiger als auf dem freien Markt. Man achtet hier gegenseitig aufeinander, was sicherlich den Vorteil hat, dass man auch in einem tristen Apartment-Hochhaus nicht völlig isoliert lebt. Andererseits heißt das aber auch: Man schaut sich gegenseitig auf die Finger. Gefördert wird das von Gemeinschaftsregeln, wie sie jetzt beispielsweise für Hausgemeinschaften in Guangzhou bekannt wurden.

Wer in einer günstigen Wohnung einer Hausgemeinschaft leben will, muss sich wohl oder übel an die dort herrschenden Regeln halten. Die neuen Regeln in Guangzhou benennen zum Beispiel 29 Vergehen vier verschiedener Stufen, für die es Strafpunkte gibt. Hat ein Haushalt 20 Punkte erreicht, müssen alle Haushaltsmitglieder innerhalb von 60 Tagen ausziehen. Zu den minderen Vergehen zählt zum Beispiel Kaugummi auf den Boden spucken - macht 3 Strafpunkte. Ebenfalls bestraft werden so schreckliche Vergehen wie in der Öffentlichkeit Wäsche trocknen, Lärm machen, Blumen an öffentlichen Orten pflanzen oder "keeping overweight or dangerous stuff indoors". Für mich stellen sich da natürlich sofort jede Menge Fragen: Was genau heißt Lärm? Wie schwer dürfen Gegenstände (?) sein, damit sie noch in die Wohnung dürfen? Gilt die Gewichtsbegrenzung nur für Gegenstände? Und ist es ein Vergehen, wenn zufällig ein Sonnenblumenkern auf den Rasen fällt und daraus eine Sonnenblume wächst?
Zur Erklärung dieser Regeln sagt der Direktor des Guangzhou Land Resources and House Management Bureau: "We made this regulation to improve the public environment and morale levels. Even though some bad habits are not severely harmful, the violators will still get 20 points if they do not stop it".

Übrigens: Wer rausfliegt, kann sich dafür bewerben, in ein "temporary apartment" ziehen zu dürfen. Diese Unterkünfte sind natürlich deutlich unkomfortabler, sollen aber über "basic necessities" verfügen. Je nachdem, was sie verbrochen haben, können sich reuige Sünder nach 1-5 Jahren um eine Wiederaufnahme in die Hausgemeinschaft bemühen.

Gefunden hier.
Infos zum Public Housing in Hong Kong u.a. hier.

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Freitag, Januar 08, 2010

China seltsam #180: Shanzhai

Ist in China von Shanzhai die Rede, meint man in der Regel keinesfalls ein "Bergdorf". Vielmehr steht Shanzhai für jede Form der Imitation. Richtig gelesen, mittlerweile hat man hier offenbar durchaus Sinn für Selbstironie. Es gibt eine regelrechte Shanzhai-Bewegung mit jeder Menge Shanzhai-Produkten, Shanzhai Online Games und Events. Mittlerweile scheint der sogenannte Shanzhaiism sogar zum Lifestyle zu mutieren. Nicht mal große Veranstaltungen sind vor der neu entdeckten Kopierwut der Chinesen sicher: Es gibt sogar die Shanzhai National Spring Gala (eine Imitation der beliebten Frühlingsfest-Gala von CCTV) und den Shanzhai Nobelpreis. Durchaus üblich ist es auch, Shanzhai Celebrities zuzujubeln - Imitationen von Stars, die denen, die sich ein echtes Konzertticket nicht leisten können, ein Live-Musik-Erlebnis o.ä. zum Schnäppchenpreis ermöglichen.

Einen interessanten Artikel zum "Spirit of Shanzhai" gibt's u.a. hier. Weitere interessante Artikel und Beispiele u.a. hier, hier und natürlich auch hier.

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Dienstag, Januar 05, 2010

China seltsam #179: Peinliche Kopfbedeckungen

Nicht nur bei uns zeigt sich der Winter von seiner sehr kalten und weißen Seite, auch in China, vor allem im Norden, fiel in den letzten Tagen bei ungewöhnlicher Kälte reichlich Schnee. So viel, dass derzeit alle Schulen der Hauptstadt geschlossen sind - schneefrei. Immer wieder interessant finde ich allerdings etwas, das ich in der Foto-Slideshow zur Meldung in der China Daily gesehen habe:

Ich weiß nicht, ob das nur an den Hauptstädter liegt (mir sind in Beijing auch schon extrem peinliche Bärchen-Ohrenschützer bei gestandenen Männern aufgefallen) oder ob es in ganz China verbreitet ist, so alberne Kopfbedeckungen zu tragen. Aber können Sie sich vorstellen, dass die Leute in Berlin, Paris oder London damit rumlaufen?

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Dienstag, Dezember 22, 2009

China seltsam #178: Wahrheit und Satire

Das mit der Wahrheit ist nicht immer so ganz einfach: Manchmal ist sie einfach furchtbar unhöflich und grausam. Kein Wunder also, dass die Versuchung groß ist, sich seine eigene Version davon zu basteln. Was philosophisch betrachtet gar nicht mal verwerflich ist, das tun wir ja sowieso, an unsere eigene Wahrheit glauben, also an das, was wir als wahrhaftig wahrnehmen. Manchmal geht die Schere zwischen erlebter und objektiver Wahrheit aber doch ganz schön auseinander. So wie in letzter Zeit bei der chinesischen Führung. Nicht nur, dass man nach dem Kopenhagen-Debakel sofort versucht hat, dem Volk den Misserfolg (an dem man selbst maßgeblich beteiligt war) als Triumph zu verkaufen. Nun versucht man auch noch, westliche Medien und Berichterstatter im eigenen Land zu diskreditieren - offenbar um ungeliebte kritische Journalisten unglaubwürdig zu machen und seine eigene Version der Wahrheit zu verbreiten. So bekommt beispielsweise das ZDF jetzt auch wegen seiner "gemeinen und vulgären" Berichterstattung zur Buchmesse eins auf die Mütze. Und der Korrespondent in Beijing Probleme mit Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis... Stein des Anstoßes ist übrigens u.a. ein Beitrag der "heute show" von Martin Sonneborn:




Vielleicht sollte man den Chinesen mal irgendwann das Konzept von Satire und satirischen Shows (in Abgrenzung zu journalistischen Informationsformaten) erklären. Satire und Ironie scheinen dort ja tatsächlich häufiger missverstanden zu werden. Vielleicht hilft es ja auch, ihnen ein paar andere Clips vom Sonneborn zeigen, zum Beispiel von seinem Besuch bei "Zimmer frei". Spätestens dann sollte klar sein, dass es sich bei der beanstandeten Sendung zur Buchmesse nicht um einen ernsthaften Angriff auf die Ehre des chinesischen Volkes handelt ;)

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Sonntag, Dezember 20, 2009

China seltsam #177: Schneekünstler

Jedes Jahr im Januar ist das winterliche und bitterkalte Harbin (Nachttemperaturen bis -40°C) Schauplatz eines Wunders: Dann lädt die eisige Metropole zum "International Ice and Snow Festival". Und ein Besuch lohnt sich tatsächlich: Was man dort nämlich zu sehen bekommt, ist eine riesengroße Zauberwelt aus Eis und Schnee inklusive Fabelwesen und schönen Jungfrauen, Eispalästen und Himmelstempel. Schon jetzt sind die meisten der Kunstwerke praktisch fertig, erste Vorab-Bilder gibt es z.B. bei der China Daily. Das Festival beginnt ab dem 05. Januar 2010 - wer nimmt mich dahin mit? ;)

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Samstag, Dezember 19, 2009

China seltsam #176: rubber wear 2009

Die Gesundheitsmesse in Beijing könnte eine ganz dröge Veranstaltung sein, informativ aber mit dem Sex-Appeal der Apotheken-Umschau. Könnte, wäre da nicht die alljährlich stattfindende Sexbedarfsartikelausstellung - mit der dazugehörigen Modenschau. Da sieht man Hochzeitskleider und Qi Paos, Tops, Engelsflügel und andere mehr oder weniger sinnvolle Kleidungsstücke - komplett aus Kondomen gefertigt. Waren die "Kunstwerke" in den letzten Jahren noch eher ein Spaß, haben sich die "Designer" des Sponsors Guilin Latex Factory dieses Jahr so richtig ins Zeug gelegt:



Bilder (ohne Quellenangaben) von Bild.de


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Montag, November 30, 2009

China seltsam #175: Armee-Talente

Auch militärisch tickt man in China ein wenig anders als in anderen Ländern: Während beispielsweise bei der Bundeswehr eine psychologische Eignungsfeststellung, ein Aufsatz, ein Kurzvortrag und eine Einzelaussprache zur Einstellung von Mitarbeitern führen, hat sich die Volksbefreiungsarmee (VBA) etwas besonderes ausgedacht. Wer als Frau zur Armee will, muss sich neuerdings einem "test of artistic ability" unterziehen. Sprich: Zeigen, was frau künstlerisch auf dem Kasten hat. Der 2-minütige "Künstler-Test" ist Teil des Auswahlverfahrens, das ansonsten aus 30 Sekunden Selbstvorstellung und 150 Sekunden Frage-und-Antwort-Spielchen besteht. Gezeigt werden kann alles von Gesangs- und Tanzdarbeitungen über Kalligrafie bis hin zum Gedichte rezitieren. Hintergrund: In letzter Zeit übersteigt die Zahl der Bewerberinnen die Anzahl der vakanten Stellen. Was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass man bei der Armee einen Zeitvertrag unterschreibt und für diese Zeit rundum versorgt ist. Obendrauf gibts ein Taschengeld von 4.000 Yuan jährlich. Uni-Absolventen können sogar für jedes Studienjahr 6.000 Yuan zur Rückzahlung ihrer Studiengebühren bekommen. Dafür tanzt man den neun Jury-Mitgliedern doch gern was vor... ;)

Gefunden hier.

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Donnerstag, November 26, 2009

China seltsam #174: Thanksgiving/Dong Zhi

Heute feiert die ganze USA Thanksgiving und es ist ein echtes Wunder, dass dieser Feiertag nicht schon längst von den Chinesen übernommen wurde. So wie Weihnachten. Oder der Valentinstag. Vielleicht liegt das aber daran, dass China schon einen eigenen Thanksgiving Day hat. Der allerdings wird erst im Dezember gefeiert, meist am 22. 12. Und heißt auch nicht Thanksgiving, sondern Dong Zhi. Es ist das Fest der Wintersonnenwende, das zweitwichtigste Fest des chinesischen Kalenders und eines der ältesten, das noch gefeiert wird.

An Dong Zhi kommt die Familie in großen Reunions zusammen, man feiert, isst und trinkt bis in die Nacht, dankt den Göttern für das vergangene Jahr und die (hoffentlich) reiche Ernte und beschenkt sich gegenseitig. Ab diesem Tag gewinnen die natürlichen Yang-Kräfte der Überlieferung nach wieder an Kraft und bahnen der Wärme den Weg. Übrigens: Vor allem ältere Leute bestehen darauf, dass sie ab dem Tag nach diesem Fest ein Jahr älter sind - und nicht erst nach dem chinesischen Neujahr. Das fällt 2010 übrigens auf den 14. Februar. Was den Valentins-verrückten chinesischen Singles und unverheirateten Paaren wahrscheinlich gar nicht schmecken wird...

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Donnerstag, November 12, 2009

China seltsam #173: Guang Gun Jie

Der 11. 11. ist ein ganze besonderer Tag: Während in Deutschland die Narren (trotz Schweinegrippe) los sind, feiert China den Singles Day, Guang Gun Jie. Wikipedia beschreibt ihn ganz treffend als "pop culture holiday": Es handelt sich dabei um einen relativ neuen "Feiertag", an dem sich Singles mit ihren Single-Freunden zum Essen treffen. Und an dem eine Single-Party nach der anderen stattfindet, um die mehr oder weniger glücklichen und freiwilligen Singles zu verkuppeln. Ausgerichtet von lokalen Matchmaking-Agenturen natürlich.

Der Legende nach entstand der Singles Day in den 1990ern in Nanjing, wo sich vier Single-Freunde gemeinsam den ganzen Tag langweilten und Mahjong spielten. Heute finden im ganzen Land am Singles Day Single-Partys statt, Karaoke-Bars werden von mitteilsam-einsamen Sängern überrannt und die Geschäfte wittern das nächste große Geschäft zwischen Nationalfeiertag und Weihnachten.

Gefunden u.a. hier, hier und hier.

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Mittwoch, November 04, 2009

China seltsam #172: Wetterbeeinflussung

Da hat das chinesische Amt für Wetterbeeinflussung ja mal einen Bock geschossen: 16 Mio. Tonnen Schnee ließen es die Regierungswissenschaftler am Sonntag auf Peking fallen. Eigentlich wollten sie nur für ein bisschen Niederschlag sorgen, um der anhaltenden Dürre Herr zu werden. Dabei muss es wohl einer mit den Chemikalien, die in die Wolken geschossen wurden, zu gut gemeint haben. Jedenfalls bibberten die Einwohner von Peking nun um die Wetter - die Heizsaison beginnt erst Mitte des Monats. Auf den Straßen Chaos, Flüge verspätet oder ausgefallen, tausende Passanten saßen fest. Die Kinder waren wahrscheinlich die einzigen, die ihren Spaß hatten...

Viel beunruhigender finde ich ja, dass es tatsächlich ein Amt für Wetterbeeinflussung gibt.

Berichte u.a. hier und hier.
Fotostrecke China Daily hier.

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Dienstag, Oktober 13, 2009

Wieder da!

Gesund, munter und mit ein bisschen Jetlag wieder da :) Für ganz Neugierige hier die ersten Bilder:

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Sonntag, Oktober 04, 2009

China seltsam #170: BYOB



In diesem Video besingt eine recht populäre Sängerin das Prinzip "BYOB" (bring your own bag), zu Deutsch: Bring Deine eigene Tasche mit. Ob die Chinesen deshalb jetzt ihren Platiktütchen abschwören und stattdessen der Umwelt zuliebe immer mit Stoffbeutel rumlaufen?

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Mittwoch, September 30, 2009

China seltsam #169: 60. Nationalfeiertag

Der Nationalfeiertag, der alljährlich Anfang Oktober gefeiert wird, rückt langsam näher und diesmal wird's spannend. Der 01. Oktober ist nämlich kein normaler Nationalfeiertag, der da begangen wird, sondern der 60. Ein Jubiläum! Also gleich ein doppelter Anlass zum Feiern! Dafür werden natürlich weder Kosten noch Mühen gescheut. Beispiele gefällig? Geplant ist u.a. eine riesige Militärparade, die in Beijing auf dem Tian’anmen-Platz abgehalten werden soll - in Pekinger Vororten übt das Militär schon seit längerem fleißig paradieren. Damit die Feierlichkeiten auch nicht getrübt werden, sorgen 18 Flugzeuge und 48 Fahrzeuge am Boden dafür, dass es nicht regnet, indem sie Chemikalien versprühen. Und damit auch wirklich nichts schiefgeht und jeder feiern kann, gibt es rund um Bejing herum eine Art Sicherheitsgraben: Sieben Städte, Provinzen und ein autonomes Gebiet haben sich offenbar dazu verpflichtet alles zu tun, um die Feierlichkeiten vor Anschlägen zu schützen. Und vor lokalen Einwohnern, die in die Hauptstadt reisen, um Beschwerden einzureichen. Und damit auch keiner stänkert, ist das Internet jetzt auch abgestellt. Na ja, zumindest Blogger und Flickr und noch ein paar andere, sowieso eher unerwünschte Anbieter, sind nicht erreichbar. Apropos unerwünscht: Auch Tibet ist bis zum 13. Oktober, also dem Ende der Golden Week, praktisch abgeschottet. Ausländer dürfen erst ab dem 13. die eigentlich autonome Region besuchen. Wer schon eine Reiseerlaubnis für Tibet in diesen Tagen hat, kann seine Reise antreten, muss aber damit leben, dass sein Reiseveranstalter und sein Guide vor Ort aus Angst vor möglichen Konsequenzen jeden seiner Schritte genau beobachten wird.

Auch die Polizei ist schon sehr aktiv und hat kürzlich 24-Stunden-Kontrollen auf Beijings Straßen angekündigt, um der vielen Betrunkenen am Steuer Herr zu werden. Rund um den Nationalfeiertag finden alljährlich immer wieder Bankette in Beijing statt, die mit schöner Regelmäßigkeit in Besäufnissen enden - die Polizei stöhnt jetzt schon und warnt vor den Folgen betrunkenen Fahrens.

Die normale Bevökerung lässt sich jetzt auch so langsam vom Hype um den 60. Geburtstag der Nation anstecken: Unter dem schönen Titel "China embraces pre-holiday travel rush" zeigte die China Daily einige Bilder brav anstehender Menschen in sehr langen Reihen, die schon vor einer Woche versuchten, sich ein Zugticket für die Reise nach Hause zu sichern. Heiratswütige waren da schneller: Schon vor mehr als einem Jahr haben die meisten, die in der kommenden Golden Week heiraten wollen, ihre Bankette und Hochzeitstermine angemeldet. Ich bin gespannt, wie viele mir über den Weg laufen :)

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