Angeschautes, Anschauliches und Anderes von C.

Sonntag, Januar 10, 2010

China seltsam #181: Public Housing Communities

Was glauben Sie eigentlich, wo ein Durchschnittschinese lebt? In einem traditionellen Hofhaus? Davon gibts kaum noch welche, die meisten wurden abgerissen oder aufgekauft. Einem Einfamilienhaus? Kann sich ein Durchschnittschinese nicht leisten. Bleibt nur die Miet- oder Eigentumswohnung. Aber selbst die ist für immer mehr Chinesen in den Städten unerschwinglich. Für sie bleiben nur die Public Housing Communities.
Eine solche Hausgemeinschaft besteht in der Regel aus Bewohnern mit geringem Einkommen, die sich keinen anderen Wohnraum leisten können. Wohnungen sind hier deutlich günstiger als auf dem freien Markt. Man achtet hier gegenseitig aufeinander, was sicherlich den Vorteil hat, dass man auch in einem tristen Apartment-Hochhaus nicht völlig isoliert lebt. Andererseits heißt das aber auch: Man schaut sich gegenseitig auf die Finger. Gefördert wird das von Gemeinschaftsregeln, wie sie jetzt beispielsweise für Hausgemeinschaften in Guangzhou bekannt wurden.

Wer in einer günstigen Wohnung einer Hausgemeinschaft leben will, muss sich wohl oder übel an die dort herrschenden Regeln halten. Die neuen Regeln in Guangzhou benennen zum Beispiel 29 Vergehen vier verschiedener Stufen, für die es Strafpunkte gibt. Hat ein Haushalt 20 Punkte erreicht, müssen alle Haushaltsmitglieder innerhalb von 60 Tagen ausziehen. Zu den minderen Vergehen zählt zum Beispiel Kaugummi auf den Boden spucken - macht 3 Strafpunkte. Ebenfalls bestraft werden so schreckliche Vergehen wie in der Öffentlichkeit Wäsche trocknen, Lärm machen, Blumen an öffentlichen Orten pflanzen oder "keeping overweight or dangerous stuff indoors". Für mich stellen sich da natürlich sofort jede Menge Fragen: Was genau heißt Lärm? Wie schwer dürfen Gegenstände (?) sein, damit sie noch in die Wohnung dürfen? Gilt die Gewichtsbegrenzung nur für Gegenstände? Und ist es ein Vergehen, wenn zufällig ein Sonnenblumenkern auf den Rasen fällt und daraus eine Sonnenblume wächst?
Zur Erklärung dieser Regeln sagt der Direktor des Guangzhou Land Resources and House Management Bureau: "We made this regulation to improve the public environment and morale levels. Even though some bad habits are not severely harmful, the violators will still get 20 points if they do not stop it".

Übrigens: Wer rausfliegt, kann sich dafür bewerben, in ein "temporary apartment" ziehen zu dürfen. Diese Unterkünfte sind natürlich deutlich unkomfortabler, sollen aber über "basic necessities" verfügen. Je nachdem, was sie verbrochen haben, können sich reuige Sünder nach 1-5 Jahren um eine Wiederaufnahme in die Hausgemeinschaft bemühen.

Gefunden hier.
Infos zum Public Housing in Hong Kong u.a. hier.

Labels:

0 Comments:

Kommentar veröffentlichen

Links to this post:

Link erstellen

<< Home