Angeschautes, Anschauliches und Anderes von C.

Sonntag, August 24, 2008

China seltsam #117: Goodbye Beijing

Aus, vorbei, die olympischen Spiele sind passé. Endlich. Ich hab nie zuvor eine solche Mega-Veranstaltung gesehen, bei der mir so viele kalte Schauer den Rücken heruntergerieselt sind. Nicht vor Ergriffenheit, nicht dass wir uns falsch verstehen. Diese Massen, die sich wie Roboter synchron bewegen (und auch noch stolz drauf sind); diese Kampfmaschinen, die seit sechs Jahren in Elite-Trainingscamps darauf gedrillt wurden zu siegen (nur eine Goldmedaille zählt, wer Silber holt, ist ein Verlierer) und dabei vergessen haben, dass sie Menschen sind; diese zur Schau gestellte Perfektion, die alles andere, was im Land nicht perfekt läuft, zu übertünchen versucht - all das ist bemerkenswert und unglaublich beängstigend. Als ich heute gesehen habe, wie selbst die weiß gekleideten Volunteers, die die Fahnenträger aus den verschiedenen Nationen eskortierten, militärisch zackig marschiert sind und als die heiß umjubelten chinesischen Popstars vor diesem mit Menschen bestückten Turm zu Babel gebetsmühlenartig "Wo ai Beijing" (ich liebe Beijing) wiederholten, ist mir echt schlecht geworden. Da freu ich mich doch lieber aufs britische Understatement und den ganz eigenen, britischen Sinn für Humor in vier Jahren ;)

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Sonntag, August 10, 2008

China seltsam #116: Alles schön harmonisch

Dass demonstrieren, spontane Äußerungen jeder Art und auch sonst jede Form der Spontanität bei den Olympischen Spielen unerwünscht sind, war ja anzunehmen. Wenn man sich aber mal die vielen kleinen "Empfehlungen" anschaut, die bereits lange im Vorfeld der Spiele ausgesprochen wurden, zeichnet sich schon ein ganz besonderes Bild von China ab. Einerseits muss natürlich alles en masse und "harmonisch" (ein Lieblingswort der KP, das z.B. auch ständig in der Eröffnungsshow vorkam) ausgeführt werden, egal ob es sich dabei um die Choreographien der Eröffnungsshow im Stadion oder die Massenhochzeiten am Eröffnungstag handelt.
Andererseits gibt es für den harmonischen Ablauf aber auch ganz genaue Vorschriften - wie sollte es auch anders sein in dem Land, das die Bürokratie erfunden hat. Ich dachte ja schon, mit dem Ausfragverbot, dem Spuckverbot, und der genauen Kleidervorschrift für Besucher und Helfer ("Frauen mit dicken Knöcheln sollten dunkle Strümpfe tragen") hätte ich meine Favouriten gefunden. Wer sich aber mal die wunderbar im Chor, quasi harmonisch, jubelnden chinesischen Massen anschaut, dem dämmert, dass es da auch eine Vorschrift geben muss. Und ja, hier ist sie, mein zur Zeit absoluter Favourit der chinesischen Olympia-Vorschriften: der Jubel-Knigge. Darin wird doch tatsächlich empfohlen (=vorgeschrieben), in welcher Form sich spontane Jubler und Anfeuerungsattacken entladen sollten, vierstufig nämlich, mit Klatschchoreografie. Und damit auch die Allerkleinsten mitmachen können, gibts sogar Klatsch-Harmonie-Unterricht in den Schulen. Klar, dass das natürlich kaum einer in China bloggt: die hiesigen Blogger sind, wenn überhaupt noch mit Internetzugang ausgestattet, natürlich auch schon lange harmonisiert worden...

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Mittwoch, Juli 23, 2008

China seltsam #115: Grüne Spiele

Peking versteht unter "Grüne Spiele" offenbar was anderes als der Rest der Welt. Gut, die schlechten, alten Plastiktüten haben sie durch bessere, neue Plastiktüten ersetzt und spucken und gedankenlos Müll auf die Straße werfen darf man jetzt auch nicht mehr. Dafür gräbt man aber in Peking und an anderen Olympia-Stätten der Umgebung das Wasser ab, im wahrsten Sinne des Wortes: Damit alles schön grün für die Olympiateilnehmer und ihre Betreuer ist, wurden Parks, Grünanlagen und Springbrunnen gebaut, die natürlich alle mit zusätzlichem Wasser versorgt werden müssen. Viel Wasser. Und nicht nur das: für Wassersportwettbewerbe hob man tiefe Kanäle in einer Gegend aus, in der es seit Jahren nur noch trockene Flussbetten gibt.
Die Konsequenz: während für all diese Kinkerlitzchen Unmengen von Wasser verschwendet werden, um der Welt ein grünes China vorzugaukeln, wissen die Bauern selbst in den Nachbarprovinzen nicht, wie sie angesichts der seit Jahren anhaltenden Dürre ihre Felder bewässern sollen. Denen hat man das Wasser nämlich gleich mit abgegraben, um u.a. eine riesige Wasserfontäne im Shunyi-Wasserpark im Osten Pekings in die Höhe schießen zu lassen.
Mehr dazu u.a. hier.

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Samstag, Juli 05, 2008

China seltsam #111: Olympic Forest Park

Da haben die Olympia-Verantwortlichen nun einen riesigen Olympischen Park mit Seen, Tieren und Unmengen von Pflanzen aus der Region für mehr als 1 Million Dollar mitten in Beijing aus dem Boden gestampft und dann das: Während der Olympischen Spiele ist der Park keineswegs für alle offen; stattdessen dürfen 5000 Athleten und 20.000 Einwohner, die vorab Tickets erhalten haben, den Park besuchen. Aber auch nur während der Öffnungszeiten. Mehr hier.

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Sonntag, Februar 10, 2008

China seltsam #100: Olympiavorbereitungen

Nun ist ja schon länger bekannt, dass vor allem den Einwohnern von Beijing und Shanghai im Zuge der Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele schon seit einer ganzen Weile eingetrichtert wird, dass sie sich westlichen Verhaltensweisen anzupassen haben. Demzufolgen wird auf die Straße spucken genauso bestraft wie unhöflich sein oder sich bei Veranstaltungen daneben benehmen. Um die Fortschritte der chinesischen Bevölkerung in Bezug auf Etikette und Verhalten dokumentieren zu können, gibt es u.a. den "city index", der das Verhalten von Einwohnern auf einem Index von 0 bis 100 bewertet.

Um aber ganz sicher zu gehen, dass man sich als Gastgeberland nicht vor den ausländischen Gästen blamiert, gibt es noch eine Reihe anderer Maßnahmen. Dazu gehören beispielsweise Geldstrafen fürs Spucken und Haft bei ungehobeltem Verhalten in der Öffentlichkeit, vor allem bei Sportveranstaltungen. Zudem erhielt bisher fast jeder Haushalt die neuen Verhaltensregeln auch per Post, verbunden mit Angeboten für Kurse in gutem Benehmen, die besonders an Taxifahrer, Bedienungen, Schaffner usw. gerichtet sind. Und damit alles seine Ordnung hat, ist immer der 11. jeden Monats "Queuing Day", Anstelltag, an dem man sich z.B. immer brav in Reihe aufstellt, wenn man auf den Bus wartet...

Also so vorbereitet kann doch gar nicht mehr schiefgehen ;)

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Donnerstag, September 13, 2007

China seltsam #79: Olympische Äpfel

(Bild: China Daily)

Früchte werden nicht einfach in Supermärkten ausgelegt. Auf fruit promotion fairs (dt.: Früchtepromomessen) wie hier in der Provinz Shaanxi präsentiert man sie der Öffentlichkeit und preist sie entsprechend an.

Der neueste Trend: Olympische Äpfel. Sie sind mit den Schriftzeichen für "Olympiade" bedruckt - mehr eigentlich nicht ;). Fruit farmers hoffen nun auf olympisch hohe Gewinne...

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Donnerstag, September 06, 2007

China seltsam #78: Smile

Sie finden, Ihr Kind ist das niedlichste der Welt? Mit dem süßesten Lächeln? Und die ganze Welt soll es wissen? Dann schicken Sie ein Foto Ihres (lächelnden) Kindes doch an die Organisatoren der Olympischen Spiele in Beijing! Die suchen nämlich für eine "artistic performance" während der opening und closing ceremony Bilder von lächelnden Kindern aus der ganzen Welt.

Die Anforderungen: das Kind (das unter 10 Jahre alt ist) sollte frontal in die Kamera lächeln oder lachen, das Foto darf vorher nicht publiziert worden sein, Bildhintergrund und Geschlecht egal, mind. 5 Mio Pixel groß und in Farbe. Einzureichen bis 30. April 2008.

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Freitag, August 24, 2007

China seltsam #74: The Olympic Shoe

Bis zu den Olympischen Spielen sind es keine 12 Monate mehr und auch in Gebieten außerhalb Pekings kommt so langsam das Olympische Gefühl auf. Zum Beispiel in Yichang, Provinz Hubei, in der die Menschen vor lauter Vorfreude diesen riesigen Olympischen Schuh gebastelt haben, der dem Olympischen Komittee übergeben werden soll.


(Bilder: China Daily)

Knapp 50 kg schwer ist der handgemachte Schuh in Größe 2008, und mit den Olympischen Maskottchen drauf doch ganz nett anzusehen. Ich wäre nur nie auf die Idee gekommen, diesen Schuh mit Einheit, Freundschaft, Fortschritt und Harmonie zu assoziieren... ;)

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Donnerstag, August 02, 2007

China seltsam #67: Olympic English TV Contest

Das Beijinger Fernsehen nahm letzte Woche eine Sendung namens "I am the hero - Olympic English TV contest" auf. Was dahinter steckt? Die Teilnehmer sind alle auch Olympic city volunteers und pauken seit Monaten oder gar Jahren Englisch, um sich auf die olympischen Spiele nächstes Jahr vorzubereiten. Der Enthusiasmus ist groß, auch wenn schon mal Tränen fließen wenn einem das richtige englische Wort nicht einfällt. Die Sendung soll nicht nur unterhalten, sondern auch andere Beijinger zum Englisch lernen "ermutigen".

Hmm, ich glaube als Englisch-Lehrerin hätte ich da gerade echt viel zu tun... ;)

Übrigens: wer im China Daily-Artikel bei Bild drei mal genauer hinschaut, entdeckt einen neuen Trend: alles was irgendwie nicht asiatisch ausschaut hat derzeit Chancen, ins TV oder zum Film zu kommen.

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