Angeschautes, Anschauliches und Anderes von C.

Freitag, Januar 09, 2009

BAHNgeschädigt - Der Weg zurück

Und ich dachte noch, ich wäre clever gewesen, als ich diesmal eine andere Route zurück gebucht habe in der Hoffnung, diesmal nicht wie sonst immer meinem Anschlusszug in Saalfeld hinterherzurennen. Weit gefehlt. Unten vorm Bahnsteig kommt mir meine Kollegin entgegen, brauchst dich nicht zu beeilen, sagt sie, der Zug hat Verspätung, 30 Minuten. Ok, dumm gelaufen, war irgendwie abzusehen, aber angesichts der Kälte gibt es angenehmere Vorstellungen, als so langsam auf dem Bahnsteig festzufrieren. Immer mehr Züge fallen aus, auch Regionalzüge, ganze Strecken sind gesperrt, nichts geht mehr. Immerhin halten die gleichzeitig alle zwei Minuten abgespielten Durchsagen auf dem Laufenden. Uns fällt nach 20 Minuten auf, dass unser Zug gar nicht mehr durchgesagt wird.



Noch sind die Leute um uns relativ entspannt, als der Zug mit fast 50 Minuten Verspätung einfährt. Wenn auch aus der falschen Richtung, eigentlich will ich heute nicht noch weiter nach Süden. Wir erreichen nicht einmal den nächsten Bahnhof. Halt auf unbestimmte Dauer, vor uns auf der einspurigen Strecke liegt ein Zug, nichts geht mehr. Nach gefühlten zehn Stunden geht es weiter, erste Verbrüderungen unter den Fahrgästen finden statt. Jeder hat eine andere Bahn-Grusel-Geschichte zu erzählen, jeder schüttelt den Kopf. Konfuse Durchsagen, nirgendwo ein Zugbegleiter, beim Aussteigen entdecke ich einen, der sich in der ersten Klasse versteckt hat und dort Gutscheine verteilt.


Der nächste Zug in Richtung Erfurt soll 13 Minuten Verspätung haben. Beim Aussteigen sind es schon 20. Nach dem Naseputzen 40. Ich brauchn Kaffee. Im Fuldaer Bahnhof empörte Bahnfahrer, nirgendwo Informationen, nirgendwo Bahnpersonal, erste entnervte Gäste werden laut. Ein paar Mitleidende erzählen mir ihre Bahnstory, immer dasselbe: Konfuse Durchsagen im Zug (wenn überhaupt), kein Personal, keine Information. Nach mehr als einer Stunde der Zug. Ich lande in einem Abteil mit Reisenden Ziel Erfurt, die mitleidig ihre englisch sprechenden chinesischen Mitreisenden mit Verpflegung bedenken und mir erzählen, dass sie jetzt mehr als eine Stunde etwas außerhalb von Fulda standen - die Elektronik war ausgefallen und der Zugführer musste bei Eisnebel ohne elektronische Unterstützung auf Sicht fahren.

Auch hier: Kein Personal, keine Durchsage. Die Reisenden versorgen sich gegenseitig mit Informationen, wie sie am schnellsten nach Hause kommen, funktioniert prima. Die Heizung fällt aus und stinkt wie verbranntes Gummi, die Scheiben vereisen langsam, man kann nicht nach draußen schauen, wir wissen nicht wo wir sind. Erste Weinflaschen werden angebrochen, erste Hotelzimmer gebucht, Fahrgemeinschaften ab dem nächstmöglichen Bahnhof gebildet. Durch eigenes hin und her rechnen schätzen wir, wo wir aussteigen müssen, die Tür geht kaum auf, alles vereist. Ich bin noch am gleichen Tag angekommen. Immerhin.

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