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Montag, Juni 08, 2009

China seltsam #153: Gaokao

Es ist wieder soweit: Chinas Schüler stellen sich drei Tage lang der Nationalen College Aufnahmeprüfung (CEE), der Mutter aller Prüfungen. Umgangssprachlich wird sie auch gaokao genannt. Dabei handelt es sich keineswegs um irgendeine Abschlussprüfung am Schulende, sie entscheidet über das gesamte Leben der Prüflinge, sofern die vorhaben, weiter in China zu leben und auch irgendwann zu arbeiten. Der Grund: Im leistungsorientierten China kommt nur der im Berufsleben weiter, der einen Abschluss eines Elite-Colleges oder einer angesehenen Uni vorweisen kann. Der gaokao ist die Eintrittskarte dazu: Nur wer hier glänzt, darf studieren. Vor der Prüfung darf jeder Bewerber seine Wunschuni und seinen Wunschstudiengang angeben. Für manche Fächer kommen Gesundheitsprüfungen im Vorfeld (meist im April vor der Prüfung) dazu: Wer farbenblind ist, braucht sich gar nicht erst für ein Chemiestudium zu bewerben, mit schlechten Augen ist der Traum vom (gut bezahlten) Maschinenbauer-Job geplatzt.

Die Prüfungsinhalte an sich sollen gar nicht mal so schwer sein. Das was die meisten Schüler zittern lässt ist einfach die Tatsache, dass sie die Prüfung nicht nur bestehen müssen, sondern dass sie auch so gut wie möglich punkten müssen. Da es nämlich nur eine einzige Prüfung für alle chinesischen Hochschulen gibt, treten alle Zwölftklässler gleichzeitig gegeneinander an im Kampf um die besten Studienplätze. Dieses Jahr sind es 10, 2 Millionen, die sich direkt miteinander messen; 10,2 Millionen Konkurrenten, die alles dafür tun um besser als ihre Schulfreunde zu sein.

Kein Wunder, dass Schüler, Eltern und Lehrer entsprechend nervös sind. Viele Eltern würden so gut wie alles tun, um ihren Lieblingen das Leben (und die Laufbahn) zu erleichtern. Das fängt bei Bestechungsversuchen an und endet damit, dass Schüler schon lange vor den Prüfungen anfangen, sich mit diversen Pillen und Pülverchen zu dopen, um auf den Punkt fit zu sein.

Und was passiert danach? Ganz einfach: Dann geht das Lernen erst richtig los. Immer verbunden mit der Hoffnung, einmal ein Leben zu haben.

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